12. Mai 2019
FloskelnFüllwörterRedeRhetorik
Sie begegnen uns täglich. Im Business, in der Politik, in privaten Gesprächen: Sinnleere Phrasen, die sich in die Sprache einschleichen, unbewusst immer wieder bedient werden und entweder langweilen oder uns in den Wahnsinn treiben.
Betrachten wir die Leitbilder von Unternehmen, begegnen sie uns sofort: leblose Hülsen und Plattitüden à la „Qualität und Service sind unser Anspruch“ oder „Der Kunde steht im Mittelpunkt“.
Auch in den Besprechungszimmern floskelt es nur so dahin: „Luft nach oben“ bieten die aktuellen Geschäftszahlen. „Am Ende des Tages“ werden wir es schon sehen.
Schon einmal beobachtet? In Medien und Rundfunk kommt der Winter immer als „Einbruch“ und die Hitze als „Welle“ – genauso wie die Grippe.
In Hotelbroschüren sind Frühstücksbuffets stets „reichhaltig“.
Bei Veranstaltungen ist das Publikum ausschließlich „hochkarätig“.
Recruitingfirmen suchen stets „pro-aktive“ Menschen mit „Hands-on-Mentalität“, während sie selbst „effektiv, effizient und transparent“ arbeiten.
Vortragende „verlieren“ gerne „ein paar kurze Worte“ zu ihrer Person, nachdem sie die „zahlreich erschienenen“ Gäste begrüßt haben.
Nicht immer ist es mangelnder Wortschatz. Oft bewegen wir uns einfach in der sprachlichen Komfortzone und sind zu träge, uns neue Beschreibungen und Worte einfallen zu lassen. Oder wir hören bestimmte Konstellationen immer wieder und verwenden sie schließlich selbst. So wird gerne wiederholt, was bereits am Markt ist.
Aus dem Lateinischen (Blümchen) hergeleitet, verstand man in der antiken Rhetorik unter Floskel einen Denkspruch oder eine Redensart.
Heute meinen wir mit Floskeln leere Worthülsen, Banalitäten oder nichtssagende Füllwörter.
Wer spannend vortragen, präsentieren oder schreiben möchte, sollte neben der oben beschriebenen Kategorie der Plattitüden drei weitere beliebte Spezies kennen:
Einmal darauf sensibilisiert, können wir an unseren persönlichen Floskeln arbeiten.
Im geschriebenen Wort ist es einfacher, Floskeln zu entfernen, weil wir Zeit zum Nachdenken haben. Im gesprochenen Wort helfen einerseits gute Vorbereitung (vor allem den Einstieg zurechtlegen!), andererseits gezielte Sprechpausen. Damit überlisten wir den Drang, jede Sekunde mit Worten füllen zu müssen und verschaffen uns Zeit zum Denken.
Keine Sorge – auch die Zuhörer müssen das Gehörte verarbeiten und sind dankbar für die floskelfreie Zeit.
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